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Lese-Heimat Stuttgart in der Stadtbibliothek Stuttgart

Lese-Heimat Stuttgart in der Stadtbibliothek Stuttgart

Leseohren – „Ein Schatz für die Kinder“

Acht Kinder aus einer Vorbereitungsklasse, vier Lesepatinnen – ein Betreuungsschlüssel von dem viele Einrichtungen nur träumen. „Für die Kinder ist das ein ganz besonderes Erlebnis. Ein richtiger Schatz.“ schwärmt Lehrerin Brenk von der Stuttgarter Rosensteinschule. Wir haben den Patinnen in der Stadtbibliothek Stuttgart zugehört.

Morgens um 10 Uhr geht es in der Kinderebene der Stuttgarter Stadtbibliothek mit Aufwärmübungen los. Acht Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren reiben ihre Hände, klatschen und singen ein für sie komponiertes Lied zur Melodie von „Bruder Jakob“. Alle Kinder bekommen bunte Punkte aufgeklebt und werden ihren Lesepatinnen zugeteilt. Barbara Bosch ist eine von ihnen. Sie liest seit eineinhalb Jahren bei den Leseohren vor

Lesepatin Barbara: „Endlich kann ich machen, was ich immer schon machen wollte.“

Barbara hat heute ein eigenes Bilderbuch mitgebracht, aus dem sie besonders gerne vorliest. „Mein Buch ist weniger textlastig. Das erlaubt mir mehr Freiraum beim Erzählen“ erklärt sie uns. Wir wollen wissen, warum sie bei den Leseohren gelandet ist. Die Antwort überrascht. Eigentlich wollte sie früher immer als Erzieherin arbeiten, doch leider hat sie das Leben andere Bahnen gelenkt. Die Tätigkeit als Lesepatin ist für sie ein Glücksfall. „Endlich kann ich machen, was ich immer schon machen wollte“ strahlt sie und verschwindet mit ihren beiden Schützlingen in einer der Vorleseecken.

Barbara Bosch mit dem Suchbilderbuch "Die Torte ist weg!" vom niederländischen Illustrator Thé Tjong-Khing.

Kinder erreichen, denen zu Hause zu wenig oder gar nicht vorgelesen wird

Der Verein Leseohren feiert dieses Jahr sein 15-jähriges Jubiläum und kann sich über steten Zuwachs freuen: Im Stuttgarter Gebiet sind ca. 550 Vorlesepinnen und -paten in Schulen, Kitas, Bibliotheken und Mehr-Generationen-Häusern aktiv. Unter den Patinnen und Paten finden sich viele Rentnerinnen und Rentner, die zeitlich etwas flexibler sind, um an den meist vormittags stattfindenden Vorlesestunden dabei zu sein. Aber auch Studentinnen, Studenten und Vollzeitberufstätige sind freiwillig beim Vorlesen engagiert.

Vorlesen fördert Lesekompetenz

„Wir möchten die Kinder erreichen, denen zu Hause zu wenig oder gar nicht vorgelesen wird“ bringt es Projektkoordinatorin Valentina Közle auf den Punkt. Vorlesen – so zeigen es Studien – fördert langfristig die Lesekompetenz der Kinder. Darüber hinaus lernen Kinder soziales Verhalten und entwickeln ihre Sprach- und Wahrnehmungsfähigkeit. Eltern würden oftmals unterschätzen, welche enormen Auswirkungen es hat, wenn man seinem Kind aufmerksam ein Buch vorliest, glaubt Leseohren-Geschäftsführerin Bettina Kaiser.

Projektkoordinatorin Valentina Közle beim Begrüßungsritual. Die Kinder massieren zum Aufwärmen ihre "Lese"-Ohren.

Eltern fehlt es oft an Zeit

Die meisten Eltern lesen gerne vor. Leider mangelt es ihnen oft an Zeit, vermutet Bettina Kaiser. Verständnis hat sie dafür, wenn beide Elternteile berufstätig sind und dann abends wenig Energie zum Vorlesen aufbringen. Mit dem Leseohren-Projekt will sie dem entgegenwirken und dadurch „Kinder so begeistern, dass sie Bücher mit nach Hause nehmen und ihre Eltern zum Vorlesen anstiften.“ erklärt sie das Konzept.  

Lese-Heimat für Neuankömmlinge in Deutschland

Für geflüchtete Kindern bzw. für Kinder, die neu nach Deutschland gezogen sind, hat der Verein das Projekt „Lese-Heimat Stuttgart“ ins Leben gerufen. Den Kindern wird in den Gemeinschaftsunterkünften oder in der Bibliothek vorgelesen und damit das Ankommen in Deutschland erleichtert. Die Vorlesepatinnen und -paten machen die Kinder mit der Sprache und der Umgebung vertraut –  klassische Integrationsarbeit sozusagen. Die Vorlesepaten werden im Laufe der Zeit zu Sprachvorbildern, Vertrauten und Spielgefährten. Um auf die fehlenden Sprachkenntnisse einzugehen, werden vor allem Bücher mit vielen Bildern verwendet. Der angenehme Nebeneffekt für die Stadtbibliothek: Im Nachhinein besuchen viele der Kinder zusammen mit ihren Eltern die Bibliothek.

Beim Memory-Spielen lernen die Kinder aus der Vorbereitungsklasse viele neue Worte.

Was müssen Lesepatinnen und -paten mitbringen? Empathie und Kreativität.

Und wie wird man Lesepate? „Lesepate kann jeder werden, der Freude an der Arbeit mit Kindern und ein Interesse an Büchern und Sprache hat“, erklärt Valentina Közle. Am meisten zählen persönliche Kompetenzen wie Kreativität und Empathie. Wenn Kinder unruhiger sind, dann müssen die Vorleserinnen und Vorleser flexibel reagieren können. Sie sollten auch einschätzen können, welche Bücher für welches Alter geeignet sind. Dazu zählt, die Bedürfnisse und das Sprachniveau der Kinder zu erkennen.

Aufwandsentschädigungen erhalten die Paten keine. „Das wollte ich gar nicht. Das ist mir nicht wichtig.“ beteuert Lesepatin Barbara. Für die freiwilligen Helferinnen und Helfer zählt allein, den Kindern eine schöne Zeit bereitet zu haben. Der Leseohren-Verein bietet regelmäßig Fortbildungen an, in denen die Patinnen und Paten z. B. lernen, wie man Figuren eine eigene Stimme verleiht oder mit Frustration umgeht.

Lesepatinnen und -paten gesucht!

Der Verein kann immer neue Freiwillige gebrauchen, besonders männliche Kandidaten sind gefragt. Bewerben kann man sich auf der Internetseite der Lesesohren: http://www.leseohren-aufgeklappt.de/mitmachen/#c323

Die Vorlesepatinnen und -paten lesen in Stuttgart regelmäßig kleinen Gruppen von Kindern vor, besonderes Augenmerk wird dabei auf den persönlichen Kontakt zu den Kindern gerichtet. Beim Projekt „Lese-Heimat“ wurden im Jahr 2017 fast 200 Veranstaltungen in Stuttgarter Unterkünften und Bibliotheken durchgeführt. Über 1600 Kinder wurden dabei erreicht. Das Projekt wird u. a. vom Medienkompetenz-Fund der Initiative Kindermedienland gefördert.

Weiterführende Links

Zum Video: „Leseohren aufgeklappt!“

Im Internet: „Lese-Heimat Stuttgart“

Kontakt

Geschäftsstelle der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg
Breitscheidstraße 4
70174 Stuttgart

 

Ulrike Karg
0711 / 90715 - 311
karg@mfg.de

 

Clara Baker
0711 / 90715 - 348
baker@mfg.de